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Brustkrebs vorbeugen - geht das ?

 
 

Dr. med. Werner Harlfinger, MainzBerufsverband der Frauenärzte

Dr. med. Werner Harlfinger, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Mainz

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen in den westlichen Industrieländern. Allein in Deutschland werden pro Jahr rund 50.000 Frauen mit der Diagnose Brustkrebs konfrontiert. Deshalb haben Früherkennung und Vorbeugung einen hohen Stellenwert. Je mehr über Risikofaktoren – gerade auch ererbte – bekannt ist, desto intensiver stellt sich die Frage: "Kann eine gesunde Lebensführung zur Minderung des Brustkrebs-Risikos beitragen?"

Natürliche Vorbeugung durch Änderung der Lebensgewohnheiten?
Fast jede Erkrankung ist durch eine bewusste Veränderung ungesunder Lebensgewohnheiten positiv zu beeinflussen. Das gilt auch für die Prävention von Brustkrebs. Diese umfasst:

  • Gesunde Ernährung
  • Abbau von Übergewicht
  • Körperliche Aktivität
  • Verzicht auf übermäßigen Alkoholkonsum
  • Vermeidung von bedrückendem Stress

Durch eine Änderung des Lebensstils kann das Brustkrebsrisiko gesenkt werden, indem die Eigenverantwortung der Frauen gestärkt und regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen zur Selbstverständlichkeit werden.

Gesunde Ernährung
Eine gesunde und angepasste Ernährung stellt eine feste Größe in der Vorbeugung von Brustkrebs dar. Frauen mit deutlichem Übergewicht scheinen häufiger an Brustkrebs zu erkranken als schlanke und normalgewichtige Frauen. Von deutlichem Übergewicht spricht man bei mehr als 25% über dem Normalgewicht. Nach einer Faustregel zählen dazu all jene Frauen, die mehr als 88 Zentimeter Taillenumfang haben. Anstöße zum Abnehmen gibt es genug. Jeder zweite Bundesbürger – so die Bilanz des jüngsten Bundesgesundheitsreports – ist bereits übergewichtig. Experten erklären unumwunden, dass Adipositas-bedingte Erkrankungen dem Diabetes, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Fettstoffwechselstörungen Vorschub leisten. Der Risikofaktor Übergewicht scheint in ursächlichem Zusammenhang mit dem Fettgewebe zu stehen, da auch hier weibliche Sexualhormone (Östrogene) gebildet werden. Sie spielen bei der Entstehung von Brustkrebs eine entscheidende Rolle. Demnach kann eine fettarme Kost, die reichlich Obst, Gemüse, Salat und Vollkornprodukte enthält, der Gewichtsreduktion und damit auch der Brustkrebsvorbeugung dienen. Eine gesunde Ernährung mit allen notwendigen Bestandteilen wie Aufbau- und Energielieferanten, Vitaminen und Mineralstoffen hält die natürlichen Anwehrkräfte des Organismus in der Balance. Durch die Aktivierung des Immunsystems wird der Körper in die Lage versetzt sowohl der Bildung als auch der Vermehrung von Krebszellen entgegenzuwirken. Mit zunehmendem Lebensalter lassen die natürlichen Abwehrkräfte des Organismus nach. Das Risiko, an Krebs zu erkranken, steigt deutlich durch falsche Ernährungsgewohnheiten und die Summierung von Schadstoffen aus der Umwelt. Es lohnt sich, krebsvorbeugende bzw. –hemmende Lebensmittel zu sich zu nehmen, obgleich es keine erklärte Anti-Brustkrebs-Diät gibt!

Regelmäßige Bewegung
Wer regelmäßig Sport treibt, verbraucht mehr Energie. Damit ist das Risiko von Übergewicht deutlich zu senken. Mit dem erhöhten Energieverbrauch wird mehr Nahrung benötigt. Auf diese Weise können auch mehr schützende Substanzen aufgenommen werden. Außerdem wird bei körperlicher Aktivität der menstruelle Zyklus der Frau verlängert. Sport tut dem Immunsystem gut, indem die Zahl der Makrophagen (Fresszellen) zunimmt. Die körpereigene Gesundheitspolizei spürt Krebszellen auf und kann diese zerstören. Dazu zählt auch die Aktivierung der T-Killerzellen, die ebenfalls den Krebszellen zu Leibe rücken. Je nach Lebensalter und Leistungsvermögen sind mindestens dreimal wöchentlich etwa 40 Minuten in ein Bewegungsprogramm zu investieren. Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung geht noch einen Schritt weiter und rät bei beruflicher Tätigkeit mit geringer körperlicher Bewegung dazu, täglich eine intensive körperliche Belastung einzuplanen.

Alkohol erhöht das Brustkrebsrisiko
Da Alkohol die Östrogenkonzentration im Körper in die Höhe treibt, erhöht dieser das Risiko an Brustkrebs zu erkranken deutlich. "Alkohol stellt den größten Risikofaktor bei der Entstehung von Brustkrebs dar", warnt der Gynäkologe Kleine-Gunk. Den Zusammenhang von Brustkrebs und Alkohol bekräftigen derzeit sieben Studien mit mehr als 300.000 Teilnehmerinnen. Nach diesen Untersuchungen lassen sich etwa vier Prozent aller Brustkrebserkrankungen auf regelmäßigen Alkoholkonsum zurückführen. Bisher konnten keine Bezüge zwischen Rauchen und einem erhöhten Brustkrebsrisiko festgestellt werden. Jedoch weist Richard Doll von der University of Oxford darauf hin, dass Zigarettenrauch nachweislich zur Entstehung von 15 anderen Krebsarten beiträgt.

Stressoren und Spannungszustände
Ein Problem der Stressforschung ist die Definition von Stressoren. Hierbei handelt es sich um alle Reize, die Stress erzeugen. Ob ein Reiz ein Stressor ist, lässt sich immer erst an der Wirkung erkennen und nicht vorhersagen. Allgemein bleibt jedoch festzuhalten, dass neben positivem Stress, der aktiviert und beflügelt, länger anhaltender bedrückender Stress zu einer Krankheitsentstehung beiträgt. Bedrohlich wirken Ängste vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, dem Tod eines geliebten Menschen oder Einsamkeit bzw. familiäre Auseinandersetzungen. Wenn der Stressabbau aus eigener Kraft nicht gelingt und die Psyche von depressiven Stimmungen überlagert wird, steigert dieser Gemütszustand das Krebsrisiko. In diesem Fall ist professionelle Hilfe unerlässlich, um die Balance zwischen Körper und Seele wieder herzustellen.

Wann ist besondere Sorgfalt geboten?
Risikofaktoren sind für jede Frau, wenn Familienmitglieder bereits an Brustkrebs erkrankt sind sowie Kinderlosigkeit, eine späte letzte Periodenblutung, bestimmte gutartige und/oder "Vorläufer" – Brusterkrankungen und eine erhöhte Gewebedichte der Brust bei der Mammographie. Wenn eines oder mehrere Risiken vorliegen, sollten regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen (mindestens einmal im Jahr) beim Frauenarzt selbstverständlich sein. Leider hält sich bisher nur jede zweite Frau hierzulande an diese Vorgabe. Erklärtes Ziel muss sein, Tumore in der Brust aufzuspüren, wenn sie noch kleiner als ein Zentimeter sind. Nur dann bietet sich die Chance der Heilung, um trotz der Tumorerkrankung ein hohes Alter zu erreichen. Das heißt, die Sterblichkeitsrate bei Brustkrebs in den nächsten Jahren um rund ein Viertel zu senken.

Warnung
Medikamente auf der Basis von Rotklee oder Soja, die überhöhte Östrogenkonzentrationen im Brustdrüsengewebe verhindern, sollten nicht bedenkenlos auf eigene Faust eingenommen werden. Den entsprechenden Befund, ob der Östrogenspiegel im Brustgewebe gesenkt werden sollte, kann nur der Frauenarzt ermitteln.

Zwei Monate nach In-Kraft-Treten des GKV-Modernisierungsgesetzes (GMG) stellt der Berufsverband der Frauenärzte einen Rückgang der Inanspruchnahme der Krebsfrüherkennungsuntersuchung durch Frauen fest. Der BVF legt Wert auf die Feststellung, dass das Gesetz bewusst die Erstinanspruchnahme der Frauenärzte im Quartal auch weiterhin vorsieht.
Dies ist aus qualitativen und gesundheitsökonomischen Erwägungen eine sinnvolle Regelung.

 
 
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